Karlsruhe

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Mittwoch, 19. Juli 2017

Ampelschaltung vom Feinsten

Wir befinden uns heute im Westen der Stadt, nicht weit vom Westbahnhof, wo die Kriegsstraße am Kühlen Krug über die Alb führt und die Südtangente überquert, um dann in die Zeppelinstraße überzugehen. Ich bin gerade mit dem Fahrrad von der Yorckstraße gekommen und stehe jetzt an der kombinierten Fußgänger- und Radler-Ampel auf der Nordseite der Kreuzung von B10 und Südtangente und will auf die andere Seite und dann weiter Richtung Ziegelstraße.

Das ist mein Hindernisparcour - rechts oben der Startpunkt, um nach 5 Ampeln und 5 Rotphasen am Ende links oben das Ziel zu erreichen.

Dabei muss ich sage und schreibe 5 Ampeln queren. Die Gesamtstrecke beträgt volle 160 m. Zu Fuß mit 6 km/h braucht man dafür 1 Minute und 36 Sekunden. Mit dem Fahrrad mit gemütlichen 20 km/h weniger als 30 Sekunden. Aber die Ampel vor mir ist Rot. Ich drücke also auf den Knopf um Grün anzufordern und warte. Die nächste Ampel ist noch Grün und so keimt Hoffnung, dass ich vielleicht rechtzeitig los kann, um nicht gleich wieder warten zu müssen.
Hier geht es los. Klar kann man auch mal Glück haben und bei Grün ankommen, aber dann dauert es auch noch länger als notwendig.
Nach fast 50 Sekunden schaltet die Ampel endlich um. Selbstverständlich hat inzwischen die nächste Ampel umgeschaltet. Also wieder Rot, die beiden nächsten Ampeln in Sicht wieder mit Grün, aber eben auch wieder nicht lange genug für mich, weil es dieses Mal richtig lange dauert, ich schön brav warte und nicht bei Rot über die Straße fahre. Also zum dritten Mal Rot und warten.

An der letzten Ampel immerhin ein Sticker der CM
Hier geht es jetzt tatsächlich sogar einigermaßen mit der Wartezeit und dieses Mal kann ich tatsächlich beide Fahrbahnen überqueren, ohne noch einmal halten und warten zu müssen. Jetzt endlich auf der anderen Seite der Südtangente biege ich rechts ab und - Überraschung - wieder Rot an der Ampel über die Keßlerstraße und hier dauert es besonders lange. Besonders ärgerlich hier, weil nämlich die meiste Zeit gar kein Querverkehr ist, für den ich hier tatsächlich warten müsste. Aber was soll's - es ist Rot und jetzt warte ich, bis ich wirklich fahren darf und es wird tatsächlich noch wahr. Endlich schaltet die Ampel um, ich überquere die Straße und bin nach geschlagenen 3 Minuten 20 Sekunden an der Stelle, die ich mit freier Fahrt in ca. 29 Sekunden erreicht hätte.

Kann man es mir hier verdenken, wenn ich hier stattdessen mit dem Fahrrad auf die Auffahrt zur Südtangente fahre, um dann gleich wieder links abzubiegen, wie es die Autos dürfen? Wenn es gut läuft, schaffe ich so eine grüne Welle und bin schnell am Ziel. Obwohl das nach meiner Einschätzung nicht einmal illegal ist, braucht es doch etwas Chuzpe und Vorsicht, um diese Abkürzung zu nehmen und es ist sicher nichts für jeden, weil man nach allen Seiten die Augen offen halten muss, ob nicht grad einer kommt, der nicht unbedingt nur wegen eines Radlers vom Gas gehen will.
Das ist der direkte Weg auf der Straße. Irgendwie einscheren, dann die beiden Ampeln in einem Zug bei Grün erwischen und gleich nach rechts abbiegen.

Lustigerweise geht es in Gegenrichtung viel einfacher und schneller. Grün reiht sich an Grün - nur darf ich da eigentlich in Gegenrichtung gar nicht mit dem Fahrrad fahren. Also absteigen und zu Fuß gehen? Dann ist es wieder vorbei mit der freien Fahrt, äh dem freien Gang für freie Bürger und ich komme immer schön pünktlich für frisches Rot auf jeder einzelnen Ampel. Vielleicht ein Beitrag zur Entschleunigung! Jedenfalls keine Ampelschaltung, die sich an Bedürfnissen von Radlern und Fußgängern orientiert, sondern nur am Autoverkehr.

Kommentare:

  1. Diese Ampel hat mich früher, als ich noch an der Ecke gewohnt habe, auch immer gestört. Wenn es an der Stelle nur eine Brücke über die Alb gäbe, könnte man unten lang fahren.

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  2. "Kann man es mir hier verdenken, wenn ich hier stattdessen mit dem Fahrrad auf die Auffahrt zur Südtangente fahre [...]" --> Nein, ich stimme zu und würde genauso handeln.

    "Jedenfalls keine Ampelschaltung, die sich an Bedürfnissen von Radlern und Fußgängern orientiert, sondern nur am Autoverkehr." --> Richtig, und der macht beim Bremsen und Stehen Dreck, die Fußgänger und Radfahrer nicht, also können die halten und warten. ... Ich bin in der Hinsicht gespalten. Werden die Ampeln nicht für Autos abgestimmt, gibts schnell einen Verkehrskollaps, egal in welcher Stadt. Es kann nicht jeder aufs Auto verzichten ... daher wechsle ich zwischen System Radler auf Bürgersteig und Radler auf der Straße, je nachdem wo die Vorteile fürs zügige Vorankommen besser sind.

    Allzeit gute Fahrt!
    Alex

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    1. Und je besser der Verkehr fließt, um so mehr entsteht! Das gilt wohl gleichermaßen für Autos wie für Fahrräder. Also mache ich lieber den Weg frei für die radelnde Bevölkerung, als für - um dich zu zitieren - Autoinsassen! :)
      Außerdem muss ich selbst, wenn ich zu lange an der Ampel warten muss, immer brutal hyperventilieren. Es ist unglaublich, welchen CO2 Ausstoß ich dabei habe. Man sollte das unbedingt vermeiden, wenn man das Klimaziel von Paris einhalten will!

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